Pflanzenzüchtung

Neue Sicht - Der Landwirtschaftliche Zusammenhang - Notwendigkeit der Forschung - Überregionale Zusammenarbeit - Methoden -Winterroggen - Emmer - Hafer - Weizen

10 / 3. 2Die Züchtung nutzt die in den Pflanzenarten vorhandene und schöpfbare Vielfalt, um Sorten und Linien für die jeweiligen Anforderungen der Zeit und für die Notwendigkeiten der Anbauer zu formen, zu gestalten, auszulesen. Der Züchter wird in gewissem Sinn als Schöpfer in Zusammenarbeit mit der Natur tätig.

Das Wort "züchten" kommt vom althochdeutschen "zuhten" und hat die indogermanische Wurzel ziehen, ziehen im Sinne von ein neugeborenes oder junges Tier aufziehen, heranziehen, erziehen, d.h. züchten kommt ursprünglich aus dem Tierbereich, aus der Verwandlung des Wildtieres zum Haustier. Mit dem Seßhaftwerden der Menschen kamen die Kulturpflanzen, verbunden mit dem Ackerbau. Jahrtausendelang geschah Pflanzenzucht aus dem Ackerbau heraus, es wurde Auslese aus der Fruchtbarkeit des Ackers betrieben. Erst nach der Wiederentdeckung der Ergebnisse von Gregor Mendel am Anfang des 20.Jahrhunderts entstand die genetisch orientierte Pflanzenzüchtung von heute.

 

Methoden

Methodisch steht die intensive Beobachtung der Pflanzen in Laufe der Entwicklung vom Keimling bis zur reifen Pflanze und fortgeführt bis zum Produkt im Vordergrund. Sie ist Vorraussetzung für die Entwicklung von äußeren und inneren Bildern beim Züchter, die zu einer Erkenntnis über das Wesen und die Eigenschaften der Pflanzenart und ihrer Ausprägung in den Einzelpflanzen führen und damit Grundlage für die Auslese sind.Weizenährenbeet
Eine methodische Variante auf diesem Weg ist das Ährenbeet: Innerhalb einer Getreideähre variieren die Körner in Grösse und Form in geringem Umfang, zum Teil in Abhängigkeit von der Reihenfolge der Blüte und vom lebendigen inneren Kraftmuster; die Körner einer Ähre werden so in ein Beet gelegt, wie sie in der Ähre angeordnet sind. Beim Roggen zeigt sich im langjährigem Anbau, dass eine Steigerung im Ertrag auch mit dem Anbau von Körnern aus der unteren Ährenhälfte, eine Steigerung im milden Geschmack aus der oberen Ährenhälfte zusammenhängt. Diese Methode geht auf Martin Schmidt zurück und wird als Mittel zur Erkenntnis in der Züchtungsauslese im Rahmen einer Linienzüchtung eingesetzt.

Neue Sicht

Die Pflanzen wachsen und gedeihen; im Boden sind nicht nur Erinnerungen gespeichert, was ihm dadurch stofflich entzogen oder hinterlassen wurde, sondern auch Informationen, wie diese Pflanzen gewachsen sind und ausgesehen haben.

Der Same ist nicht nur ein Endpunkt einer Wachstumszeit, die Zusammenfassung einer Entwicklungsperiode, sondern auch Manifestation von etwas, das im Blütenstaub, d.h. in der Blütenwärme seinen Anfang genommen hat.

Wenn man diese ungewohnte Sichtweise zuläßt, dann entsteht die neue Pflanze dadurch, dass wenn der Same gesät wird, im Boden das Prinzip der Manifestation aus dem Samen mit dem Prinzip der Erinnerung an das Pflanzenwachstum zusammenkommt. Jedes Aussaatkorn, jede Aussaatähre, jeder Sack Saatgut braucht nicht nur sein Schildchen über seine Herkunft, sondern auch seine Vision, sein Werdebild.

Der fruchtbare Boden nimmt dabei eine Schlüsselfunktion für den Züchter ein.


 

 

WinterroggenWinterroggen

Der Winterroggen ist ein altes Arbeitsfeld auf Hof Grub. Er geht auf die Zuchtlinien von Martin Schmidt zurück, der innerhalb von 18 Jahren den ehemals mittelhohen Bauernroggen mit Hilfe von bestimmten Aussaatterminen und einer Auslese innerhalb des Ährenbeetes zu einem langstrohigen und langährigen Roggen verwandelte. Die nächsten 18 Jahre waren von der Konsolidierung des Langstrohroggens und der Methode geprägt, es zeigten sich aber auch die Grenzen. Die Frage der folgenden 18 Jahre war, welche Herausforderung die Übernahme, die Weitergabe der Methode und des Roggens darstellt.
In der aktuellen Bearbeitung stehen kürzeres Stroh, Ertragssicherheit, Standfestigkeit und milder Geschmack im Brot im Vordergrund. Daneben werden Sortenvergleiche durchgeführt.

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Emmer

Emmer ist ein uraltes Getreide aus dem Stammbaum des Weizens. Mit ihm kam die Brotkultur nach Mitteleuropa. Vor 5 Jahren wurde mit einem Sortiment von knapp 40 Linien Sommeremmer - größtenteils aus der Genbank - eine Anbauntersuchung begonnen. Es gab große Unterschiede in den inneren und äußeren Merkmalen, einschließlich Geschmack und Backeigenschaften. EmmerDie Ergebnisse aus den agronomischen und analytischen Untersuchungen erlauben inzwischen die ersten Schritte in Richtung Vorvermehrung. Für das weitere Vorgehen sind die Ergebnisse aus den sensorischen Untersuchungen von großer Bedeutung.
Für 2004 ist eine Untersuchung geplant, bei der Emmer in seiner Gesamtertragsleistung (gemessen als Körner, Stroh, Eiweiß und Eisengehalt) verglichen werden soll mit Weizen und Triticale. Neben diesen Anbauuntersuchungen wird der Vergleich von Linien- und Kreuzungszucht fortgeführt.

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Hafer

Hafer ist ein sehr junges Arbeitsgebiet in Hof Grub. Natürlich lief Hafer im Hof immer als Futter für die Tiere mit, auch in kleinen Anbauversuchen.Hafer Hafer ist heute ein Getreide, das trotz der weiten Verbreitung der Haferflocken immer mehr zurück geht, er wird vom hochertragreichen Triticale verdrängt. Dass Hafer in der Vergangenheit zeitweise das Haupternährungsgetreide im mitteleuropäischen Raum war, gerät immer mehr in Vergessenheit.
Hafer paßt an den Standort Hof Grub und hat sehr positive Auswirkungen auf Boden, Tier und Mensch.
In 2002 und 2003 wurde ein Hafersortenversuch, wie auch ein Genbanksortiment angebaut. Beide werden in weiteren agronomischen und züchterischen Untersuchungen fortgeführt.

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Weizen

Die Übertragung des Ährenbeetes auf den WeizenGrannenweizen hat zu dem Ergebnis langstrohigen Weizen mit weicher Kleberqualität geführt, dabei läßt sich nicht sagen, ob und wie die Kleberqualität sich nachweislich im Laufe der Jahre verändert hat, da aus den siebziger Jahre keine vergleichbaren Ergebnisse vorliegen. Eine Steigerung der Kleberqualität durch Anwendung der Ährenbeetmethode war nicht möglich. Ebenso ergaben sich auch keine statistisch gesicherten Ergebnisse an äußerlich meßbaren Merkmalen als einfluß des Ährenbeetes. WeizenDie klimatischen Aspekte und die mittlere Bodengüte des Standortes Hof Grub ließen es sinnvoll erscheinen, den Umfang der Weizenzuchtarbeit stark zu reduzieren.
In kleinem Umfang werden zwei alte Weizen aus der biologisch-dynamischen Arbeit gepflegt und erhalten.

 

 

 

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Der landwirtschaftliche Zusammenhang

Die Züchtungsarbeit von Hof Grub ist eingebettet in den biologisch-dynamisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb. Die Landwirtschaft schafft die Bedingungen, in denen sich die Vielfalt der Pflanzen bewähren muss und entwickeln kann und ist damit die Vorraussetzung für die Auslese. Die landwirtschaftliche Lage in einer Mulde und die Umgrenzung durch einen Wald lassen den Hof zu einer räumlichen Einheit werden.
Zu anderen Betrieben der näheren Umgebung bestehen enge Beziehungen. Verschiedene Anbauuntersuchungen und Nachkommenprüfungen werden in diesen Betrieben durchgeführt, um die unterschiedlichen Einflüsse der Standorte beobachten zu können. Die größere Versuchsanbaufläche ist ein Gewinn.

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G 84 / 11Notwendigkeit der Forschung

Im Gegensatz zur konventionellen Züchtung liegen im Bereich der Ökopflanzenzüchtung wenig Erfahrungen und Ergebnisse vor. Ohne Forschung ist Ökozüchtung nicht möglich.Das fängt bei der Zuchtmethode an, von der Nährstoffeffizienz und -aneignung über neue Pflanzeneigenschaften und Merkmale bis zu neuen Untersuchungsmethoden reicht die Palette, die unter biologisch-dynamischen bzw. ökologischen Verhältnissen erforscht werden müssen. Darin liegt die Aufgabe von Hof Grub: Pflanzenzuchtforschung im Rahmen und unter den Bedingungen eines biologisch-dynamisch geführten Hofes.

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Überregionale Zusammenarbeit

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter. Innerhalb der Assoziation gibt es eine Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten und eine Diskussion und gegenseitige Prüfung der Projekte der Einzelmitglieder.

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