Die
Züchtung nutzt die in den Pflanzenarten vorhandene und schöpfbare
Vielfalt, um Sorten und Linien für die jeweiligen Anforderungen der Zeit
und für die Notwendigkeiten der Anbauer zu formen, zu gestalten, auszulesen.
Der Züchter wird in gewissem Sinn als Schöpfer in Zusammenarbeit mit
der Natur tätig.
Das Wort "züchten" kommt vom althochdeutschen "zuhten" und hat die indogermanische Wurzel ziehen, ziehen im Sinne von ein neugeborenes oder junges Tier aufziehen, heranziehen, erziehen, d.h. züchten kommt ursprünglich aus dem Tierbereich, aus der Verwandlung des Wildtieres zum Haustier. Mit dem Seßhaftwerden der Menschen kamen die Kulturpflanzen, verbunden mit dem Ackerbau. Jahrtausendelang geschah Pflanzenzucht aus dem Ackerbau heraus, es wurde Auslese aus der Fruchtbarkeit des Ackers betrieben. Erst nach der Wiederentdeckung der Ergebnisse von Gregor Mendel am Anfang des 20.Jahrhunderts entstand die genetisch orientierte Pflanzenzüchtung von heute.
Methodisch steht die intensive Beobachtung der Pflanzen in
Laufe der Entwicklung vom Keimling bis zur reifen Pflanze und fortgeführt
bis zum Produkt im Vordergrund. Sie ist Vorraussetzung für die Entwicklung
von äußeren und inneren Bildern beim Züchter, die zu einer Erkenntnis
über das Wesen und die Eigenschaften der Pflanzenart und ihrer Ausprägung
in den Einzelpflanzen führen und damit Grundlage für die Auslese sind.
Eine methodische Variante auf diesem Weg ist das Ährenbeet: Innerhalb einer
Getreideähre variieren die Körner in Grösse und Form in geringem
Umfang, zum Teil in Abhängigkeit von der Reihenfolge der Blüte und
vom lebendigen inneren Kraftmuster; die Körner einer Ähre werden so
in ein Beet gelegt, wie sie in der Ähre angeordnet sind. Beim Roggen zeigt
sich im langjährigem Anbau, dass eine Steigerung im Ertrag auch mit dem
Anbau von Körnern aus der unteren Ährenhälfte, eine Steigerung
im milden Geschmack aus der oberen Ährenhälfte zusammenhängt.
Diese Methode geht auf Martin Schmidt zurück und wird als Mittel zur Erkenntnis
in der Züchtungsauslese im Rahmen einer Linienzüchtung eingesetzt.
Die Pflanzen wachsen und gedeihen; im Boden sind nicht nur Erinnerungen gespeichert, was ihm dadurch stofflich entzogen oder hinterlassen wurde, sondern auch Informationen, wie diese Pflanzen gewachsen sind und ausgesehen haben.
Der Same ist nicht nur ein Endpunkt einer Wachstumszeit, die Zusammenfassung einer Entwicklungsperiode, sondern auch Manifestation von etwas, das im Blütenstaub, d.h. in der Blütenwärme seinen Anfang genommen hat.
Wenn man diese ungewohnte Sichtweise zuläßt, dann entsteht die neue Pflanze dadurch, dass wenn der Same gesät wird, im Boden das Prinzip der Manifestation aus dem Samen mit dem Prinzip der Erinnerung an das Pflanzenwachstum zusammenkommt. Jedes Aussaatkorn, jede Aussaatähre, jeder Sack Saatgut braucht nicht nur sein Schildchen über seine Herkunft, sondern auch seine Vision, sein Werdebild.
Der fruchtbare Boden nimmt dabei eine Schlüsselfunktion
für den Züchter ein.

Der Winterroggen ist ein altes Arbeitsfeld auf Hof Grub. Er
geht auf die Zuchtlinien von Martin Schmidt zurück, der innerhalb von 18
Jahren den ehemals mittelhohen Bauernroggen mit Hilfe von bestimmten Aussaatterminen
und einer Auslese innerhalb des Ährenbeetes zu einem langstrohigen und
langährigen Roggen verwandelte. Die nächsten 18 Jahre waren von der
Konsolidierung des Langstrohroggens und der Methode geprägt, es zeigten
sich aber auch die Grenzen. Die Frage der folgenden 18 Jahre war, welche Herausforderung
die Übernahme, die Weitergabe der Methode und des Roggens darstellt.
In der aktuellen Bearbeitung stehen kürzeres Stroh, Ertragssicherheit,
Standfestigkeit und milder Geschmack im Brot im Vordergrund. Daneben werden
Sortenvergleiche durchgeführt.
Emmer ist ein uraltes Getreide aus dem Stammbaum des Weizens.
Mit ihm kam die Brotkultur nach Mitteleuropa. Vor 5 Jahren wurde mit einem Sortiment
von knapp 40 Linien Sommeremmer - größtenteils aus der Genbank -
eine Anbauntersuchung begonnen. Es gab große Unterschiede in den inneren
und äußeren Merkmalen, einschließlich Geschmack und Backeigenschaften.
Die
Ergebnisse aus den agronomischen und analytischen Untersuchungen erlauben inzwischen
die ersten Schritte in Richtung Vorvermehrung. Für das weitere Vorgehen
sind die Ergebnisse aus den sensorischen Untersuchungen von großer Bedeutung.
Für 2004 ist eine Untersuchung geplant, bei der Emmer in seiner Gesamtertragsleistung
(gemessen als Körner, Stroh, Eiweiß und Eisengehalt) verglichen werden
soll mit Weizen und Triticale. Neben diesen Anbauuntersuchungen wird der Vergleich
von Linien- und Kreuzungszucht fortgeführt.
Hafer ist ein sehr junges Arbeitsgebiet in Hof Grub. Natürlich
lief Hafer im Hof immer als Futter für die Tiere mit, auch in kleinen Anbauversuchen.
Hafer ist heute ein Getreide, das trotz der weiten Verbreitung der Haferflocken
immer mehr zurück geht, er wird vom hochertragreichen Triticale verdrängt.
Dass Hafer in der Vergangenheit zeitweise das Haupternährungsgetreide im
mitteleuropäischen Raum war, gerät immer mehr in Vergessenheit.
Hafer paßt an den Standort Hof Grub und hat sehr positive Auswirkungen
auf Boden, Tier und Mensch.
In 2002 und 2003 wurde ein Hafersortenversuch, wie auch ein Genbanksortiment
angebaut. Beide werden in weiteren agronomischen und züchterischen Untersuchungen
fortgeführt.
Die Übertragung des Ährenbeetes auf den Weizen
hat zu dem Ergebnis langstrohigen Weizen mit weicher Kleberqualität geführt,
dabei läßt sich nicht sagen, ob und wie die Kleberqualität sich
nachweislich im Laufe der Jahre verändert hat, da aus den siebziger Jahre
keine vergleichbaren Ergebnisse vorliegen. Eine Steigerung der Kleberqualität
durch Anwendung der Ährenbeetmethode war nicht möglich. Ebenso ergaben
sich auch keine statistisch gesicherten Ergebnisse an äußerlich meßbaren
Merkmalen als einfluß des Ährenbeetes.
Die
klimatischen Aspekte und die mittlere Bodengüte des Standortes Hof Grub
ließen es sinnvoll erscheinen, den Umfang der Weizenzuchtarbeit stark
zu reduzieren.
In kleinem Umfang werden zwei alte Weizen aus der biologisch-dynamischen Arbeit
gepflegt und erhalten.
Die Züchtungsarbeit von Hof Grub ist eingebettet in den
biologisch-dynamisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb.
Die Landwirtschaft schafft die Bedingungen, in denen sich die Vielfalt der Pflanzen
bewähren muss und entwickeln kann und ist damit die Vorraussetzung für
die Auslese. Die landwirtschaftliche Lage in einer Mulde und die Umgrenzung
durch einen Wald lassen den Hof zu einer räumlichen Einheit werden.
Zu anderen Betrieben der näheren Umgebung bestehen enge Beziehungen. Verschiedene
Anbauuntersuchungen und Nachkommenprüfungen werden in diesen Betrieben
durchgeführt, um die unterschiedlichen Einflüsse der Standorte beobachten
zu können. Die größere Versuchsanbaufläche ist ein Gewinn.
Notwendigkeit
der ForschungIm Gegensatz zur konventionellen Züchtung liegen im Bereich
der Ökopflanzenzüchtung wenig Erfahrungen und Ergebnisse vor. Ohne
Forschung ist Ökozüchtung nicht möglich.Das fängt bei der
Zuchtmethode an, von der Nährstoffeffizienz und -aneignung über neue
Pflanzeneigenschaften und Merkmale bis zu neuen Untersuchungsmethoden reicht
die Palette, die unter biologisch-dynamischen bzw. ökologischen Verhältnissen
erforscht werden müssen. Darin liegt die Aufgabe von Hof Grub: Pflanzenzuchtforschung
im Rahmen und unter den Bedingungen eines biologisch-dynamisch geführten
Hofes.
Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der
Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter.
Innerhalb der Assoziation gibt es eine Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten
und eine Diskussion und gegenseitige Prüfung der Projekte der Einzelmitglieder.